Die Wasserburg

 

Nach Überlieferungen soll die Burg im 13. oder 14. Jahrhundert von den Herren von Carben errichtet worden sein. Von 1503 bis 1816 war sie im Besitz der Herren von Greiffenclau zu Vollrads, die 1710 ein neues Herrenhaus errichteten. Inzwischen ist es Eigentum der Stadt Rosbach.

 

Der Bau von 1710 ist zweigeschossig über hochliegendem Sockel. Sockel und erstes Geschoß massiv errichtet, darüber ein Fachwerkgeschoß. Das Portal ist auf der südlichen Längsseite über eine dreibogige Bruchsteinbrücke zugänglich. Die Brücke überquert einen Wassergraben, der vor der Süd-Ost-Ecke wiederhergestellt wurde.


Dem Herrenhaus war ursprünglich ein Ökonomiehof vorgelagert.

 

 

Blick auf das Herrenhaus im Jahre 1903

 

 

 

DIE GESCHICHTE DER WASSERBURG NIEDER-ROSBACH

 

1356 Ersterwähnung der Burg.

Drei Brüder, genannt von Carbin, Edelknechte (Friedrich, Ruprecht und Gerlach von Karben) „tragen“ (übergeben) ihr festes Haus zu Nieder-Rosbach dem Herren Ulrich von Hanau III. und erhalten es als Mannlehen zurück.. Als Erbauer werden ebenfalls die Herren von Karben genannt. Zur Burg gehört ein Burggut mit beträchtlichem Bestand an Äckern, Wiesen, Gärten, Weihern und Unterkünften für „Gesinde“ und Tiere.

 

1376 Ruprecht von Kolnhausen, der mit Patze von Carben, der Schwester der drei Brüder zu Carben, verheiratet war, wird von Ulrich III. von Hanau mit Burg und Burggut belehnt.

 

1412 Erwin Löw von Steinfurth wird von Ulrich von Hanau mit der Burg und dem Burggut belehnt. Er war verheiratet mit Hebele von Kolnhausen, der Tochter des Ruprecht von Kolnhausen.

 

1456 Helfrich von Buches erhält von Graf Philipp von Nassau-Saarbrücken den Freiheitsbrief. Er war verheiratet mit Duda Löw von Steinfurth, der Tochter des Erwin Löw von Steinfurth.

 

1462 wird Helfrich von Buches zur Besserung seines Lehens mit der Schäferei und dem Schaftrieb in Nieder-Rosbach belehnt.

 

1485 Cuno (Konrad) von Buches wird mit der Schäferei und dem Schaftrieb in Nieder-Rosbach vom Graf zu Nassau-Saarbrücken belehnt.

 

1503 Anna von Buches erbt mit dem Tod ihres Vaters Cuno das Burggut. Im selben Jahr heiratet sie mit 13 Jahren den 16jährigen Friedrich von Greiffenclau zu Volrads. In der Ehevereinbarung wird ihr das Burggut als Morgengabe und als Witwensitz zugesagt. Sie wohnen auf Schloss Volrads im Rheingau. Nach dem Tod des Ehegatten Friedrich im Mai 1529 zieht sie nach Nieder-Rosbach, wo sie in der Burg bis zu ihrem Ableben 1554 wohnt.

 

1503-1816 Die Burg und das Burggut befinden sich 313 Jahre im Besitz der Grafen Greiffenclau zu Vollraths. Die Bewirtschaftung des Hofgutes erfolgte durch Beständer, Keller und Pächter.

 

1567 Der Burgherr Greiffenclau lässt die Harbmühle erbauen. Ein „Eselspfad“ verbindet Burg und Mühle.

 

1696-1699 Umbau der Burg, wie sie heute noch zu sehen ist. Das gemauerte Untergeschoss der „alten“ Burg wird durch einen 1-geschossigen Fachwerkaufbau und ein hohes Dach mit 2 Speicherböden erhöht.

 

1816 Freiherr Philipp Carl Anton von Greiffenclau verkauft Burg und Burggut an 68 Nieder-Rosbacher Bürger für 23.300 Gulden.

Im Verkaufsvertrag sind erwähnt:

Gebäude: Ein Wohnhaus nebst Graben, ein Nebenhaus, eine doppelte Scheune, eine Öl und Schlagmühle mit Pferd- und Ochsenställen, sowie Schweineställe mit doppeltem Boden, eine Brennerei, die Harbmühle und die Schäferei.

Grundstücke: 88 Grundstücke mit 253 ½ Morgen sowie ein Fischweiher. Die Nieder-Rosbacher Bürger konnten die Kaufsumme nicht aufbringen und verkauften Burg und Gut an Heinrich Hiepe, Apotheker aus Wetzlar.

 

1818-1907 Herr Hiepe verkauft 1818 Burg und Burggut an Christian Schwenk.

In den Folgejahren werden Burg und Burggut wiederholt weiter veräußert. Die jeweiligen Besitzer versteigern und verkaufen nach und nach das gesamte Inventar der Wirtschaftsräume, sowie den Viehbestand. Später auch den größten Teil der Acker- und Wiesenflächen.

 

1907 Georg Wilhelm Neuroth, pensionierter Lehrer aus Frankfurt, der letzte Privatbesitzer, ließ die verwahrlosten Ökonomiegebäude abreißen, und legte auf den verbliebenen 18.000 qm Fläche einen Obstgarten mit rund 500 Bäumen an. Er renovierte die Burg, und baute einen Balkon über dem Eingang.

 

1913 Die Gemeinde Nieder-Rosbach kauft von Georg Wilhelm Neuroth Burg, See und Garten für 30.000 Mark.

 

1914 Im 1. Stock wird eine Lehrerwohnung eingerichtet. Der Burggarten wird von der Gemeinde parzelliert und an Einwohner für 2 Mark pro qm verkauft. Im Erdgeschoss ist die Nieder-Rosbacher Bürgermeisterei untergebracht.

 

1933 Ein Sturmbüro der SA wird in der Wasserburg eingerichtet und später eine Kommandantur mit meist älteren Soldaten.

 

1944 Im 1. Stock wird Wohnraum für ausgebombte Frankfurter Bürger bereitgestellt. Zeitweilig ist ein Kindergarten im Erdgeschoss eingerichtet.

 

1945-1948 Im 1. Stock werden Flüchtlinge einquartiert. Auch werden in dieser Zeit Schulklassen in der Burg unterrichtet.

 

1959 Die neue Schule im Burghof wird eingeweiht.

 

1969/1970 Umbauarbeiten an der Burg. Die Bürgermeisterei erhält neue Fenster aus Aluminium. Die Haustür, vordem aus Holz, wird ebenfalls durch eine aus Metall ersetzt. Auf der Rückseite wird ein Treppenhaus in den ersten Stock angebaut, sowie neue Toiletten für die Bewohner eingerichtet. Der rückwärtige Balkon und die Treppe werden abgerissen.

 

1970 Ober- und Nieder-Rosbach vereinigen sich. Die Bürgermeisterei ist nun in Ober-Rosbach. In der Burg sind im Erdgeschoss das Ordnungs- und das Bauamt untergebracht.

 

1979/1980 Der Putz auf dem Fachwerkaufbau des 1. Stockes wird entfernt, das Fachwerk wird freigelegt, die Gefache neu angelegt und gestrichen. Ein Wassergraben wird rechts der Eingangsbrücke angelegt.

 

1989 Ordnungs- und Bauamt ziehen in die Stadtverwaltung nach Ober-Rosbach, die neu gegründete Sozialstation zieht ein.

 

2006 Rosbacher Bürger gründen 650 Jahre nach der Ersterwähnung der Wasserburg den „Förderverein zur Erhaltung, Sanierung und Nutzung der Wasserburg Nieder-Rosbach e.V.“.

 

2011 Im Mai wird die Einweihung der vollständig sanierten Wasserburg gefeiert. Mit Unterstützung von Investitionsförderprogrammen der Bundesrepublik Deutschland sowie des Landes Hessen konnte die Sanierung der Wasserburg ermöglicht werden.

Der Beschluß zu diesem Projekt wurde in der Rosbacher Stadtverordnetenversammlung einstimmig gefasst.

 

Die geschichtlichen Daten zur Wasserburg stellte freundlicherweise Herr Wolfgang Ziemann vom Heimatgeschichtsverein Rosbach zusammen.

 

 

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